Managed-Hosting-Anbieter: So finden Sie den richtigen

Eine stattliche Anzahl an Managed-Hosting-Anbietern tummelt sich aktuell auf dem deutschen Markt. Wirft man einen ersten flüchtigen Blick auf deren Angebote, so scheinen diese relativ ähnlich zu sein. Bei genauerem Hinsehen kristallisieren sich jedoch die Details und Vorteile für Sie als Kunde heraus. Um Ihnen den Vergleich zu erleichtern, finden Sie im Folgenden die wichtigsten Kriterien für die Wahl Ihres Managed-Hosting-Anbieters aufgeführt.

Dabei sollten Sie je nach geplantem Einsatzzweck selbst gewichten, welches Ihre Muss- und Kann-Kriterien für Ihren zukünftigen Managed-Hosting-Anbieter sind. So ist dem einen der Support besonders wichtig, dem anderen kommt es jedoch eher auf die Qualität des Rechenzentrums an. Tragen Sie also einfach Ihre Bewertungskriterien in der gewünschten Reihenfolge in eine Tabelle ein und Sie können recht schnell ermitteln, welcher Provider für Sie infrage kommt und welcher nicht.

1. Data Center: Das Managed-Hosting-Rechenzentrum

Das Rechenzentrum ist das Herzstück eines jeden Hosters. Denn ohne Stellfläche, Versorgung und Anbindung der Server kann er seine Dienste natürlich nicht anbieten. Es sei denn, es handelt sich um einen Reseller oder Shared-Hosting-Anbieter. Diese nutzen nämlich die Ressourcen eines anderen, größeren Hosters und vermieten diese an ihre Kunden weiter. Folgende Faktoren spielen eine Rolle für die Qualität eines Rechenzentrums:

Unabhängige Zertifizierung

Unabhängige Institute wie der TÜV oder auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewerten Rechenzentren anhand eines sorgsam ausgearbeiteten Prüfkatalogs und stellen anschließend eine entsprechende Zertifizierung aus.

Die Zertifizierung nach der internationalen Norm ISO 27001 bzw. die noch darüber hinausgehende Zertifizierung nach IT-Grundschutz (BSI) ist demnach ein hilfreiches Merkmal für ein modernes und sicheres Rechenzentrum. Sie bestätigt dem jeweiligen Betreiber, dass er beim Management der Informationssicherheit international gültige Standards einhält. Bei einem zertifizierten Rechenzentrum können Sie also davon ausgehen, dass es die höchsten Anforderungen im Hinblick auf die Datensicherheit erfüllt.

Gerade bei neueren Rechenzentren kann es vorkommen, dass eine Zertifizierung zwar angestrebt wird, aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht durchgeführt wurde. Insofern ist ein Fehlen o.g. Zertifikate nicht zwangsläufig ein Hinweis auf eine mangelnde Qualität des Rechenzentrums. Auch sind solche Zertifikate nicht verpflichtend, sondern werden vom Provider freiwillig beauftragt.

Standort

Deutscher Anbieter mit Datenstandort Deutschland: So sind die Daten optimal vor Zugriffen ausländischer Behörden geschützt.
Deutscher Anbieter mit Datenstandort Deutschland: So sind die Daten optimal vor Zugriffen ausländischer Behörden geschützt.

Dieser Punkt ist wichtig für den geltenden Datenschutz. Hat der Managed-Hosting-Anbieter seine Server in Deutschland stehen, in der EU oder sogar in den USA? Den Server-Standort sollte jeder Hoster auf seiner Website transparent darstellen. Nur bei einem deutschen Anbieter mit Datenstandort Deutschland ist zu 100 Prozent sichergestellt, dass ausländische Behörden keinen Zugriff auf die Daten haben. Neben dem Rechenzentrums-Standort sollten Sie daher auch ein Auge auf den Firmensitz werfen (s. Das Unternehmen).

Anbindung

Verfügt das Rechenzentrum über eine redundante Anbindung an das Internet? Denn nur so ist auch dann die Erreichbarkeit der Server weiterhin sichergestellt ist, wenn eine der Leitungen ausfällt. Die von einem Managed-Hosting-Anbieter garantierte Verfügbarkeit der Anbindung (s. auch Service Level) sollte mindestens 99,9 % im Jahresmittel betragen.

Stromversorgung

Besitzt das Rechenzentrum zwei unabhängige Stromzuführungen? Es kann in seltenen Fällen vorkommen, dass die Leitungen eines Stromanbieters beschädigt werden oder es aus anderen Gründen zu Stromausfällen kommt. Aus diesem Grund werden viele Rechenzentren von zwei externen Anbietern beliefert.

Für den Fall, dass die externe Versorgung gänzlich unterbrochen wird, sind Rechenzentren für gewöhnlich mit USV-Anlagen (unterbrechungsfreie Stromversorgung) ausgestattet. Zudem gleichen die USV-Anlagen permanent Spannungs- und Frequenzschwankungen aus. Daher sollten Sie abklären, ob in den Rechenzentren der infrage kommenden Hostingprovider USV-Anlagen installiert sind.

Schließlich sollten Sie noch prüfen, ob im Rechenzentrum Notstrom-Dieselaggregate vorhanden sind. Da die USV-Anlagen nur für einen begrenzten Zeitraum übernehmen können, sind zumeist zusätzliche Dieselaggregate installiert. Diese können im laufenden Betrieb betankt werden und stellen so theoretisch die Stromversorgung für einen unbegrenzten Zeitraum sicher.

Sicherheit des Rechenzentrums

Unabhängig von der Absicherung des Netzwerks sollte ein Rechenzentrum auch den Zutritt durch Unbefugte unterbinden. Ansonsten könnten diese die Hardware inklusive der sich darauf befindenden Daten stehlen oder beschädigen. Eine typische Zugangskontrolle besteht aus einer Kameraüberwachung sowie Zugangsschranken, die sich nur mittels Identifikation, etwa durch einen Fingerabdruck, öffnen lassen.

Für den Brandschutz sollte ein Frühwarnsystem installiert sein, welches bereits bei wenigen Rauchpartikeln in der Raumluft einen Alarm ausgibt. So wird etwa ein durchgeschmortes Kabel sofort entdeckt und Schlimmeres kann von vornherein verhindert werden.

Jedes größere Rechenzentrum sollte über eine eigene Sicherheitszentrale verfügen. Diese sorgt für eine permanente Überwachung aller kritischen Werte, zum Beispiel der Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Strom- und Netzwerkversorgung.

2. Das Unternehmen: Wer ist der Managed-Hosting-Anbieter?

Informieren Sie sich über das Unternehmen hinter den Produkten. Ist es schon lange am Markt oder gerade erst gestartet, wo sitzt es und welche Rechtsform hat es?

Geschichte

Ein Managed-Hosting-Anbieter, welcher sich schon seit einiger Zeit erfolgreich am Markt behauptet, dürfte auch in Zukunft noch bestehen. Sie können hier also davon ausgehen, dass Sie nicht aufgrund einer Firmenpleite ungewollt den Anbieter wechseln müssen. Darüber hinaus kennt ein solches Unternehmen den Markt und seine Kunden sehr genau und passt seine Angebote ständig an die aktuellen Entwicklungen an.

Firmensitz und Rechtsform

Diese Information ist relevant für Haftungs- und Datenschutzfragen. Ist der Firmensitz des Managed-Hosting-Anbieters in Deutschland, so gilt ausnahmslos das deutsche Recht sowie das strenge Bundesdatenschutzgesetz. Bei einer GmbH mit Sitz in Deutschland können Sie zudem davon ausgehen, dass Sie im Schadens- und Streitfall rechtlich gegen das Unternehmen vorgehen können. Dies kann bei einem ausländischen Unternehmen schwieriger sein und es könnte sich bei einer Ltd. theoretisch um eine reine Briefkastenfirma handeln.

3. Ohne geht es nicht: Die Hardware

Je nach Hosting-Anbieter ist es möglich, bestimmte Servermodelle nach den eigenen Bedürfnissen konfigurieren zu lassen. So haben Sie mehr Flexibilität in Hinblick auf Preis und Leistung.
Je nach Hosting-Anbieter ist es möglich, bestimmte Servermodelle nach den eigenen Bedürfnissen konfigurieren zu lassen. So haben Sie mehr Flexibilität in Hinblick auf Preis und Leistung.

Markenhardware

Viele Anbieter werben mit Markenherstellern wie HP Enterprise oder Dell. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass diese Hersteller über viel Erfahrung in der Entwicklung von Serverhardware besitzen und kontinuierlich in die Weiterentwicklung investieren. Daher kann  sich Markenhardware positiv auf die Leistung und Verfügbarkeit auswirken.

Servertypen

Welche Servertypen mit welcher Performance bietet der Anbieter überhaupt? Wenn Sie einen Server für aufwändigere Projekte brauchen, können Sie im Prinzip alle Provider ausklammern, die ausschließlich Shared Hosting bzw. Webhosting anbieten. Denn ein dedizierter Server ist in Ihrem Fall die bessere Wahl. Umgekehrt können Sie als Einsteiger einen Managed-Hosting-Anbieter aus Ihrer Recherche ausklammern, der sich auf komplexe Serverinfrastrukturen und Hochverfügbarkeit spezialisiert hat.

Bei Managed Servern können Sie zusätzlich in Ihre Bewertung mit aufnehmen, ob diese nach Kundenwunsch konfiguriert werden können. Grundsätzlich ist es möglich, ein Servermodell wie zum Beispiel den HPE ProLiant™ DL360 mit unterschiedlichen Prozessoren und Arbeitsspeicher zu bestücken. Dies gestattet Ihnen als Kunde mehr Flexibilität im Hinblick auf Preis und Leistung. Jedoch bietet nicht jeder Hosting-Anbieter diese Option.

4. Der Support macht den Unterschied

Umfang

Bei der Arbeit mit einem Server können unterschiedliche Probleme auftreten. Doch deckt nicht jeder Hostinganbieter mit seinem Support alle Fehlerquellen ab. Einige Hoster leisten nur Support für die Hardware, andere unterstützen die Kunden auch bei der Konfiguration der Software. Wieder andere stehen den Kunden bei jeglichen Problemen mit Rat und Tat zur Seite, auch wenn es sich um eigene Software-Installationen des Kunden handelt. Versuchen Sie herauszufinden, mit welchen Problemen Sie sich an den Support des Providers wenden können.

Wer und wann

Eine wichtige Frage ist auch, wann Sie den Support überhaupt erreichen. Steht er Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung oder gibt es begrenzte Zeitfenster? Da die Supportzeiten bei allen Anbietern auf der Website oder auf Anfrage bekanntgegeben werden, haben Sie hier eine gute Vergleichbarkeit.

Des Weiteren macht es einen Unterschied, ob Sie direkt mit einem Techniker verbunden werden, oder ob Sie erst Ihr Anliegen in einem Callcenter schildern, das Ihnen nicht in allen Fällen direkt weiterhelfen kann. In der Regel bieten nur große Managed-Hosting-Anbieter den direkten Kontakt zu einem persönlichen, technisch-versierten Ansprechpartner, während der Erstkontakt mit dem First-Level-Support bei den meisten kleineren Hostern die Regel ist.

Schnelligkeit

Nun stellt sich die Frage, wie lange es dauert, bis sich der 2nd- oder 3rd-Level-Support Ihres Problems annimmt. Hierüber gibt das sogenannte Service Level Agreement (SLA) Auskunft, welches als Grundlage eines Serververtrags gilt. Es beinhaltet unter anderem die garantierten Service- und Wiederherstellungszeiten. Bietet ein Provider kein eigenständiges SLA als Dokument an, sollten Sie auf dessen Website nach entsprechenden Hinweisen zum Support-Level  suchen.

Kosten

Grundsätzlich bieten alle Hostinganbieter den kostenlosen Kontakt per E-Mail und/oder Ticketsystem an. Jedoch bevorzugen viele Kunden den direkten Kontakt per Telefon. Hier sollten Sie im Vorfeld prüfen, welche Kosten auf Sie zukommen würden, oder ob die Hotline sogar kostenfrei erreichbar ist.

5. Schwarz auf Weiß: Service Level im Managed Hosting

Im Service Level Agreement verpflichtet sich der Anbieter zu bestimmten Reaktionszeiten und Verfügbarkeiten, etwa der Hardware oder der Anbindung. Darüber hinaus enthält das SLA die Vertragsstrafen, welche bei Verstößen fällig werden (ausgenommen sind jedoch Ausfälle, die der Kunde selbst verschuldet oder die durch externe Angriffe entstehen). Die im SLA festgehaltenen Garantien können Sie sehr gut zwischen den einzelnen Anbietern vergleichen.

Achten Sie darauf, dass die Verfügbarkeit der Anbindung mit mindestens 99,9 % im Jahresmittel garantiert wird. Eine hohe garantierte Verfügbarkeit belegt, dass der Anbieter Vertrauen in seine Infrastruktur besitzt.

Bei der Hardware sollte mindestens eine Verfügbarkeit von 99 % im Jahresmittel bei Einzelsystemen bzw. 99,9 % bei redundanten Systemen garantiert werden.

Bei einem Hardwaredefekt tauscht der Provider die betroffene Komponente oder den ganzen Server im Rechenzentrum aus. Der Zeitraum, in dem der Austausch stattfindet, ist ebenfalls in den SLA festgeschrieben. Der Hardwaretausch findet idealerweise innerhalb von maximal vier Stunden statt, sodass Ihre Anwendungen schnell wieder erreichbar sind.

6. Internationalität: Agieren Sie global?

Einige Managed Hosting Provider sind international ausgerichtet und betreiben Rechenzentren in verschiedenen Ländern. Falls Sie zum Beispiel viele Kunden in den USA haben, ist möglicherweise ein Server vor Ort von Vorteil, um Ihre Daten schneller auszuliefern. In diesem Fall kann die Internationalität ein Kriterium bei Ihrer Providerwahl sein.

Internationalität

Eine Alternative zum ausländischen Rechenzentrum bieten aber auch CDN-Lösungen. Dabei sorgt der Anbieter – häufig in Kooperation mit spezialisierten Partnern wie Akamai – mittels eines Content Delivery Networks für eine weltweite schnelle Datenauslieferung. Nehmen Sie also bei Bedarf das Angebot eines CDN-Produktes mit auf Ihre Checkliste.

7. Aktuelle Kundenbewertungen

Was denken eigentlich andere Kunden über den Anbieter? Durchforsten Sie einfach mal das Internet nach Meinungen und Erfahrungen, die für Ihre Entscheidung hilfreich sein könnten. Doch ist hierbei zu bedenken, dass nur aktuelle Bewertungen wirklich aussagekräftig sind. Schließlich entwickeln sich die Anbieter weiter und lernen aus ihren Fehlern. Auch sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass negative Erfahrungen sehr viel häufiger publik gemacht werden als positive.

Tipp: Treffen Sie eine Vorauswahl

Wie Sie sehen, gibt es etliche Faktoren, die Sie bei der Auswahl Ihres Providers berücksichtigen können. Neben den hier aufgeführten könnten für Sie auch noch folgende Kriterien relevant sein:

  • Managed Hosting und Cloud aus einer Hand
  • Hybride Lösungen
  • Unterstützung bei der Migration
  • Individuelle Lösungskonzepte vs. Produkte von der Stange
  • Persönliche Ansprechpartner vs. anonyme Kunden
  • usw.

Es vereinfacht Ihnen die Suche jedoch, wenn Sie die für Sie wichtigsten drei Kriterien raussuchen und auf dieser Basis eine Vorauswahl treffen. Anschließend bleibt noch eine Handvoll Managed-Hosting-Anbieter übrig, die Sie genauer unter die Lupe nehmen können.