Agile Unternehmen: Die neue Dynamik der Zusammenarbeit

Für agile Unternehmen ist es einfacher, mit dem ökonomischen Wandel Schritt zu halten. Sie können flexibel auf Veränderungen reagieren, sich neu orientieren und umdenken. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff „agiles Unternehmen“?


Das „agile Unternehmen“ ist inzwischen weit mehr als nur ein beliebtes Schlagwort von Managern. Vielmehr beschreibt es das flexible Handeln einer Organisation oder eines Unternehmens – proaktiv, antizipativ und initiativ. Fest steht: Agiles Arbeiten ist ein Trend in der gesamten Wirtschaft, den immer mehr Unternehmen für sich entdecken und der unabhängig von der Unternehmensgröße oder der Branche eine Vielzahl an Vorteilen mit sich bringt.

Inhalt

Agile Unternehmen: Fehlentwicklungen werden früh ausgebremst

Laut der Lünendonk-Sonderanalyse „Agile Transformation“ sind agile Unternehmen auch in Extremsituationen in der Lage, auf eine veränderte Nachfragesituation sehr schnell zu reagieren, Lösungen umzusetzen und sich den neuen Bedingungen anzupassen. Denn die Grundidee dahinter ist, dass der Wandel das einzig Verlässliche ist – und ein agiles Unternehmen dieser Notwendigkeit zur Veränderung nur mit einem Maximum an Flexibilität begegnen kann.

Dabei geht der Begriff bereits bis in die 1950er Jahre zurück. Er bezeichnete damals als Teil der Systemtheorie die Fähigkeit von Organisationen, sich auf aktuelle und zukünftige Anforderungen einzustellen, um ihr Überleben zu sichern. Seit Anbruch des 21. Jahrhunderts entfaltet die agile Methodik ihre volle Kraft und wurde zunächst, insbesondere im Kontext der Softwareentwicklung (vgl. Cloud-native Entwicklung), zum Schlagwort der Modernität. Doch Agilität reicht noch weiter und erstreckt sich auf eine Vielzahl an Gewerken und projektbezogenen Aufgabenstellungen.

Agile Unternehmen brechen radikal mit den alten Mustern der klassischen Arbeitswelt, denn die Methodik fordert die Zusammenarbeit in einer deutlich weiterreichenden Art und Weise als bisher. Agilität bedeutet eine neue Dynamik der Interaktivität in einer neuartigen Teamstruktur, in der Expertenwissen zusammengeführt wird und weitgehend auf Hierarchien verzichtet wird. Dabei werden Projekte in kürzere Teilschritte („Sprints“) aufgesplittet und fehlerhafte Entwicklungen mithilfe regelmäßiger Manöverkritik und Feedbackschleifen vermieden.

Die Vorteile agiler Verfahren gegenüber dem Wasserfall-Modell

Die Vorteile, die agile Unternehmen gegenüber dem klassischen Wasserfall-Modell haben, liegen auf der Hand: Flexible Prozesse, die Interaktion zwischen Entwicklern, Stakeholdern und dem Team ermöglichen, und häufige Aktualisierungen, die zeitnah durch die Projektbeteiligten getestet und evaluiert werden können. Agile Verfahren sind ideal, wenn man in Betracht zieht, dass sich Anforderungen hardware- und softwareseitig verändern können und neue Herausforderungen hinzukommen. Dass Projektteams hier in kurzen Zyklen arbeiten, stellt besondere Herausforderungen an das Projektmanagement, dies mit den Workflows von Unternehmen zu verzahnen, die oftmals noch in längeren Produktzyklen zu Hause sind.

Doch es gilt, mit einigen Fehlschlüssen aufzuräumen: Denn ein agiles Unternehmen ist nicht ein chaotisches Unternehmen, das keinerlei Gesetzmäßigkeiten folgt. Ganz im Gegenteil erfordert agiles Arbeiten eher mehr Planung und standardisierte Regeln, damit alle Beteiligten eines Projekts spontan und situativ handeln können.

Auch das Vorurteil, Agilität sei nicht planbar, ist nicht stichhaltig. Weil die Planung ja durchaus erfolgt, aber sich mit den sich ändernden Anforderungen ihrerseits ändern kann. Schließlich – damit kommen wir zu einem dritten, weit verbreiteten Missverständnis: Nicht jeder tut im agilen Projektmanagement, was er will, sondern das Agieren folgt genauen Regeln und wird angesichts detaillierteren Monitorings gut nachvollziehbar.

5 Kennzeichen agiler Unternehmen

1


Situatives Entscheiden und kurze Entscheidungswege in flachen Hierarchien

2


Komplexität verringern durch Mustererkennung

3


Intensiveres kurzfristiges Justieren der Arbeiten

4


Führungskraft ist oft eher Impulsgeber und Teilnehmer

5


Nahtlos integrierte Technologie für verbesserten Überblick

Umdenken und agil werden

Ein agiles Unternehmen kann schnell Veränderungen adaptieren, absorbieren und umsetzen – im Bereich der Digitalisierung, aber auch weit darüber hinaus in sämtlichen Entscheidungen der Unternehmenssteuerung. War Agilität zunächst vor allem in Technologie-Start-ups en vogue, hat sie sich inzwischen auch bei etablierten Unternehmen eingebürgert. Wenn auch in vielen Fällen zunächst einmal in besonders innovativen Abteilungen.

Dagegen ist vor allem in konservativen Konzernen, aber auch in vielen etablierten Familienunternehmen, Agilität meist noch nicht angekommen – aus dem Gedanken heraus, dass die Geschäfte auch mit dem klassischen Wasserfall-Modell mit festen Release-Dates, auf die hingearbeitet wird, über Jahre erfolgreich waren.

Doch Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass in einer digitalisierten Ökonomie der Zukunft die Frage nicht mehr sein wird, ob eine Organisation groß oder klein ist oder ob sie besonders schnell agiert. Es wird vielmehr darum gehen, ob sie in ihren Entscheidungen flexibel und agil ist – und sich in der Lage zeigt, schnell auf Veränderungen einzugehen und diese für das eigene Geschäft zu adaptieren.

Deshalb antizipieren agile DevOps-Teams eventuell auftauchende Konflikte schon während ihrer Entwicklungsarbeit und lösen sie auch gleich im laufenden Prozess. Am Ende stehen dann schnellere, mehr und bessere Ergebnisse als man es vom klassischen Projektmanagement gewohnt war.

Und Unternehmen sollten auch verstehen, dass wir am Anfang einer Technologieexponentialkurve stehen: Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und Machine Learning, aber auch datenbasierte Auswertungen und Augmented Reality, werden unsere Geschäftswelt in einer neuen industriellen Revolution auf den Kopf stellen. Sie werden zu einem Produktivitätsschub beitragen und damit für einen nachhaltigen Wandel sorgen – und auch weil niemand sagen kann, wie das Ergebnis aussieht, ist es essentiell wichtig, agil darauf zu reagieren.

Cloud-native als Wegbereiter für ein agiles Unternehmen

IT-Infrastrukturen in Unternehmen sind oft über viele Jahre gewachsen, unterliegen schwer zu pflegenden langfristigen Programmstrukturen mit einem monolithischen Charakter und oftmals für heutige Verhältnisse deutlich zu langen Release-Zyklen. Gerade etablierte Unternehmen, die dem traditionellen Wasserfall-Modell mit festen Vorgaben folgen, müssen dabei zusehen, wie Start-ups mit ihrer agilitätsorientierten DNA deutlich schneller und effektiver agieren.

Zwar haben viele Unternehmen sich in den letzten Jahren dafür entschieden, Teile ihrer IT-Ressourcen in eine Public- oder Hybrid-Cloud auszulagern. Das ist ein guter erster Schritt für mehr Flexibilität, ändert aber am Charakter der Applikationen und Prozesse ohne Cloud-native noch nicht viel. Denn solche Legacy-Anwendungen, die eigentlich für den Einsatz in einem traditionellen Rechenzentrum entwickelt wurden, unterscheiden sich von modernen Cloud-nativen Strategien, mit denen Unternehmen passgenauer und agiler auf die Herausforderungen des Marktes reagieren können. Doch was ist das eigentlich genau und wie schaffen es auch etablierte Unternehmen, ein solches agiles Business-Konzept für sich umzusetzen?

Der Charakter und die Vorteile von Cloud-Native

Bei Cloud-native handelt es sich um einen Ansatz im Software-Development, bei dem Applikationen und Microservices – der Name sagt es schon – explizit für den Einsatz in der Cloud entwickelt werden. Cloud-native Development ermöglicht es den IT-Abteilungen, skalierbare Applikationen zu entwickeln und diese in dynamischen IT-Umgebungen wie Public-, Private- oder Hybrid Cloud-Plattformen auszurollen und zu betreiben. Kern dieses auf Remote Computing basierenden Ansatzes sind Technologien, die Container, Microservices und serverlose Anwendungen beinhalten. Deren entscheidender Vorteil ist es, so hat es die Cloud Native Computing Foundation (CNCF) bereits 2015 formuliert, dass Entwickler mit überschaubarem Aufwand häufige und vorhersehbare Veränderungen vornehmen können, die große Auswirkungen auf die Anwendungen haben.

Modulare Microservices bringen mehr Flexibilität

Dabei ist Cloud-native übrigens anders als der Name vermuten lässt keineswegs auf den Betriebsort in einer Public- oder Private-Cloud festgelegt, sondern kann auch On-Premises betrieben werden. Es beschreibt vielmehr die Eigenschaften, mit denen ein Service entwickelt und bereitgestellt wird, also beispielsweise mit der elastischen Skalierbarkeit, der Mandantenfähigkeit sowie der einfachen modularen Verwaltung.

Der Cloud-native Ansatz bringt eine Vielzahl von Vorzügen und systematischen Vorteilen, angefangen bei dem hohen Grad an Flexibilität der Services. Denn diese Dienste lassen sich in nahezu jeder hierfür konfigurierbaren Umgebung ausführen und sind neben dieser Portabilität deutlich kleinteiliger und modularer aufgebaut als reine Cloud-enabled Anwendungen der Vergangenheit. Das ermöglicht kürzere Entwicklungszyklen mit einzelnen Feature-Sprints. Gleichzeitig erfordert Containerisierung aber auch umsichtiges Verhalten und systematisches Agieren bei der Absicherung der einzelnen Microservices.

Entscheidender Vorteil ist aber auch die Skalierbarkeit durch den Software-zentristischen Ansatz, da Unternehmen nicht mehr so stark wie bisher an einzelne Hardwareanbieter und Betriebssysteme gebunden sind, sondern Cloud-native Anwendungen auf beliebige Plattformen übertragen können. Zudem erzielen Containerorchestrierungslösungen wie das weit verbreitete Kubernetes einen hohen Grad an Automatisierung. Korrekt konfiguriert können sie menschliche Bedienfehler und Fehlkonfigurationen abfangen, was für verbesserte Kosteneffizienz und Ausfallsicherheit sorgt.

Mehr als ein technologisches Umdenken

Doch die Container-Technologien dahinter, namentlich vor allem Docker, und Container-Manager, wie etwa Kubernetes, sind aber mehr als ein rein technologisches Konzept – denn sie gehen einher mit einem organisatorischen und kulturellem Wandel in den Unternehmen. Dieser darf nicht unterschätzt werden und braucht Zeit und Aufwand, da die damit verbundene Denkweise in der gesamten IT-Abteilung ankommen muss.
Gerade der organisatorische Wandel ist auch verbunden mit der Frage, wie sich beispielsweise DevOps mit den entsprechenden Tools abbilden lässt und welche Veränderungen in den Abteilungsstrukturen und Zuständigkeiten dafür nötig sind. Auch für viele Entwickler und Administratoren bedeutet das die Notwendigkeit zum Umdenken und zur Weiterbildung.

Cloud-native Ansätze mehr als ein Modetrend

Und dennoch werden Unternehmen, die sich auf die „Cloud-native Journey“ einlassen, mit deutlich effizienterem IT-Management und schnelleren und innovativeren Lösungen in der Anwendungsentwicklung belohnt. Gerade mittelständische Unternehmen sollten, wenn sie sich diesen Change-Prozess nicht aus eigener Kraft zutrauen, auf die Beratung und technische Unterstützung eines Managed Cloud Service Providers zurückgreifen, der über die entsprechenden Erfahrungen in vergleichbaren Umfeldern und Unternehmenskulturen verfügt. Ein guter beratender Dienstleister wird zunächst gemeinsam mit den Vertretern des Unternehmens analysieren, wo dieses IT-seitig steht und welche Erfordernisse aufgrund der bestehenden IT gegeben sind. Danach erst geht es an das Erarbeiten der Ziele und der Maßnahmen, die dorthin führen.

Cloud-native Ansätze sind mehr als nur ein Modetrend, sie sind in vielen Unternehmen der anstehende nächste Schritt im Kontext der Cloud-Migration, machen diese agiler und flexibler. Denn das reine Lift & Shift, also das Übertragen von alten Anwendungen ohne ein grundsätzliches Redesign, löst viele Probleme im Hinblick auf die Flexibilität und Agilität in den IT-Abteilungen nicht. Die Frage bei der Einführung von Cloud-native Konzepten ist daher nicht mehr so sehr, ob der dahingehende Wandel irgendwann auf Unternehmen zukommt, sondern eher, wann die Implementierung sinnvollerweise ansteht. Das gilt bei Unternehmen nahezu aller Branchen und gleichermaßen für mittelständische Unternehmen wie Großkonzerne.

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