Was ist Colocation?

In unserer lockeren Reihe von Hosting-Basics widmen wir uns heute dem Thema Colocation. Dabei spricht man auch von Server Housing, denn im Wesentlichen geht es darum, für die eigenen Server eine sichere und gut angebundene Unterkunft zu finden. 

In der heutigen digitalisierten und vernetzen Welt kann kein Unternehmen mehr auf einen eigenen Server verzichten. Längst ist aus dem Herzstück der IT auch das Herz – wenn nicht gar das Hirn – des Unternehmens geworden. Hier lagern sämtliche geschäftsrelevanten Daten. Mit dem Unternehmen wächst demzufolge gleichzeitig auch die vorzuhaltende Server-Infrastruktur, die sich zunehmend komplexer und raumgreifender gestaltet. Zudem steigen die Anforderungen hinsichtlich der zu leistenden Performance. Und auch der Faktor Datensicherheit wird mit wachsendem Geschäft immer relevanter.

Schnell steht ein Unternehmen dann vor der entscheidenden Frage: Errichte und betreibe ich ein eigenes Rechenzentrum oder lagere ich meine Hardware aus? Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für letzteres. Und damit für eine Colocation-Lösung.

Drei von Vier

Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Colocation? Was sind die Unterschiede zu anderen Modellen, wie beispielsweise dem Server Hosting? Und worauf gilt es bei der Auswahl des Rechenzentrums zu achten? Zeit für einen Überblick.

Die eigenen Server im externen Rechenzentrum

In der IT wird mit einer Colocation ein Rechenzentrum bezeichnet, in dem der Betreiber seinen Kunden das Aufstellen der eigenen Serverstrukturen ermöglicht. Das Wort setzt sich aus den lateinischen Begriffen „co“ (zusammen, mit) und „lokus“ (Ort) zusammen. Das Rechenzentrum wird also von vielen Kunden genutzt, um die eigenen Sever in einer geeigneten Umgebung zu betreiben.

Das Modell der Colocation wird oftmals auch als Server-Housing bezeichnet, da der Kunde diesem Fall explizit die eigene Hardware nutzt. Der Anbieter der Colocation stellt ihm dazu die benötigte Anzahl dedizierter, also dem Kunden allein zugewiesener und zugänglicher Racks zur Verfügung. Hinzu kommen Strom- und Internetzugang sowie die Klimatisierung. Über die Hard- und Softwarekonfiguration seines Servers bestimmt in diesem Fall aber allein der Kunde.

Colocation-Rechenzentrum: Rechenzentrum, in dem ein Anbieter Fläche zum Aufstellen von IT-Hardware, die Internetanbindung, eine sichere Stromversorgung, Klimatisierung, etc. für seine Kunden bereitstellt (teilweise auch Serverhousing genannt). ²

Das unterscheidet das Server-Housing vom Modell des Server-Hostings, bei dem der Kunde auf Hard- und Software des Anbieters zurückgreift, der auch die Wartungsarbeiten übernimmt. Zwar bieten auch Colocation-Anbieter an, grundlegende Arbeiten am Server des Kunden zu übernehmen. Dies geschieht jedoch ausschließlich bei entsprechender Beauftragung. Als sogenannte „Remote Hands“ führen Techniker vor Ort in diesem Fall exakt die vorgegebenen Handlungen aus. Meist sind dies Routine-Arbeiten wie der Tausch von Festplatten oder Netzteilen, die Überprüfung der Status-LED oder Anpassungen an der Netzwerkverkabelung.

Umfassende und administrative Arbeiten am Server selbst übernehmen jedoch meist die eigenen, mit den individuellen Hard- und Softwarespezifikationen vertrauten unternehmenseigenen IT-Experten. Die Colocation-Lösung ist daher immer dann besonders empfehlenswert, wenn der Server sehr individuellen Ansprüchen entsprechen soll, er hochsensible Daten enthält oder spezialisierte Programme betrieben werden. Auch die unternehmenseigenen Compliance-Richtlinien oder laufende Hardwareverträge können bei der Entscheidung für ein Colocation-Rechenzentrum eine Rolle spielen.

Tier 3: Jederzeit hochverfügbar

Entscheidet sich ein Kunde für die Unterbringung seines Servers in einer Colocation, genießt er die Vorzüge eines perfekt ausgestatteten und durchdacht konzipierten Rechenzentrums – sofern dieses den entsprechenden Standard aufweist. Denn die Sicherheits- und Leistungsstandards von Rechenzentren sind in verschiedene Kategorien eingeteilt, die von Tier 1 bis Tier 4 reichen. Tier ist in diesem Fall der englische Begriff für Rang oder Stufe.

AusfallkostenEmpfehlenswert ist es, ein Rechenzentrum zu wählen, das mindestens dem Tier-3-Standard entspricht. Dieser garantiert eine Erreichbarkeit des Servers von 99,98 Prozent, was einer maximalen Ausfallzeit von 1,6 Stunden pro Jahr entspricht. Aktive und passive Versorgungswege für Stromzufuhr und Internetzugang sind gleich mehrfach vorhanden. Die sichere Stromversorgung und ein zuverlässiger Internetzugang mit hoher Bandbreite von bis zu 10 Gbit/s sind die wesentlichsten Faktoren, um einen reibungslosen Betrieb und geringe Latenzen des Servers zu gewährleisten. Weitere umfassende Sicherheits- und Brandschutzmaßnahmen garantieren, dass die Daten im Rechenzentrum vor Fremdzugriff und vor Komplettverlust sicher sind.

Standort Deutschland: wo die Daten wirklich sicher sind

Made in GermanyUnternehmen, die auf ein Maximum an Datenschutz setzen möchten, sollten sich bei der Auswahl der Colocation auf Anbieter mit Sitz und Serverstandorten in Deutschland konzentrieren. In diesem Fall gilt für den Umgang mit den Servern und den darauf gespeicherten Daten das deutsche Datenschutzgesetz, das nach wie vor als eines der strengsten der Welt gilt. Ein weiteres Qualitätsmerkmal, das Kunden als Orientierung dient, ist das nachweislich geprüfte und wirkungsvolle Informationssicherheits-Managementsystem – kurz ISMS. Kann der Colocation-Betreiber das entsprechende Zertifikat gemäß ISO 27001 vorweisen, wissen die Kunden ihre Daten in sicheren Händen.

Doch nicht nur auf die bestmöglichen Strukturen innerhalb des Rechenzentrums sollte man bei der Auswahl des Colocation-Anbieters achten. Auch die Entfernung zum eigenen Standort spielt eine wichtige Rolle. Denn zum einen verringert mit geringerer Distanz zwischen Server- und Unternehmensstandort die Latenzzeit. Zum anderen bietet die räumliche Nähe den Vorteil, dass Arbeiten am eigenen Server für die IT-Mitarbeiter mit geringerem Zeit- und Reiseaufwand verbunden sind.

Die Frage nach den Kosten: Colocation rechnet sich

5 Kostenvorteile ColocationAbschließend stellt sich natürlich die Frage, ob sich das Colocation-Modell für Unternehmen tatsächlich rechnet. In den überwiegenden Fällen lautet die Antwort: Eindeutig ja! Denn allein die Planung und Errichtung eines Rechenzentrums inklusive aller Sicherheits- und Leistungsmerkmale des Tier-3-Standards ist für Unternehmen mit extrem hohen Kosten verbunden. Hinzu kommen die laufenden Ausgaben für den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung. In einem Colocation-Rechenzentrum werden all diese Kosten auf sämtliche Nutzer umgelegt, der eigene Anteil fällt entsprechend gering aus. Unter dem Strich spart ein Unternehmen mit Colocation also in den meisten Fällen viel Geld – und verschafft sich so die Möglichkeit höhere Mittel ins eigentliche Kerngeschäft zu investieren.

Das könnte Sie auch interessieren:

Whitepaper Colocation
Weitere Informationen finden Sie auch im kostenfreien Whitepaper zum Thema Colocation.

Was ist Managed Hosting? Wir erklären im Blog, für welche Anwendungsfälle sich Managed Hosting am besten eignet.

Lesen Sie mehr über Colocation auf der PlusServer-Website oder im Datenblatt.

 

 

 

 


¹ Gartner (nach: http://www.peak10.com/infographic-your-roi-of-colocation/)

² Bitkom-Studie „Rechenzentren in Deutschland“(2014)

³ http://www.datacenterknowledge.com/archives/2014/05/30/survey-enterprise-data-centers-fail-often-colos/

4 http://blogs.gartner.com/andrew-lerner/2014/07/16/the-cost-of-downtime/