Key Takaways
Eine Multi-Cloud-Strategie gelingt, wenn jeder Workload nach Kritikalität, Kosten, Performance und Wechselbarkeit seine passende Plattform bekommt.
- VMware Cloud Foundation passt zu geschäftskritischen Workloads, Proxmox VE zu Standard-Workloads sowie Kubernetes und OpenStack zu neuen cloud-nativen Anwendungen.
- Kosten lassen sich nur über den gesamten Lebenszyklus bewerten: Lizenzen, Betrieb, Personal, Migration und Ausstieg gehören in dieselbe Rechnung.
- Die Performance hängt von der Platzierung ab: Anwendung und Datenbank gehören auf dieselbe Plattform oder in dasselbe Rechenzentrum.
Unabhängigkeit entsteht durch Exit-Fähigkeit von Anfang an, also durch hypervisor-unabhängige Backups, plattformunabhängig vorgehaltene Daten und Schlüssel sowie regelmäßige Wiederherstellungstests.
Inhaltsverzeichnis
Neue Lizenzmodelle und steigende Kosten bringen viele Virtualisierungsstrategien ins Wanken. Das wirft die Frage auf, ob alle Workloads auf derselben Plattform bleiben sollen. Eine Multi-Cloud-Strategie beantwortet die Frage für jeden Workload einzeln: Sie legt fest, wo er läuft, was er kostet und wie er bei Bedarf umzieht.
Die Cloud-Landschaft in den Unternehmen wird diverser. Laut „EuroCloud Pulse Check 2026“ plant jedes fünfte Unternehmen künftig Multi-Cloud als Bereitstellungsmodell. Die Definition der Studienautoren umfasst dabei ausschließlich mehrere Public Clouds. Heute setzt erst jedes zehnte der befragten Unternehmen auf dieses Modell. Zwei Drittel planen oder prüfen zudem einen Anbieterwechsel. Jedoch halten nur 42 Prozent eine Migration für einfach. In der Studie „Digitale Souveränität 2026“ haben sogar 38 Prozent der Befragten eine Multi-Cloud-Strategie als bereits umgesetzte Maßnahme angegeben, wobei die Studie keine genauere Definition mitliefert.
Eine Multi-Cloud-Strategie beginnt mit der Bewertung jedes einzelnen Workloads
Als Workload verstehen wir im Folgenden eine Anwendung samt Daten und Rechenressourcen. Eine Multi-Cloud-Strategie verteilt diese Workloads gezielt auf mehrere Plattformen. Bei diesen sind die Bereitstellungsmodelle und technische Basis zu unterscheiden.
Das Bereitstellungsmodell kann eine Public oder Private Cloud sein, die im eigenen oder in einem extern betriebenen Rechenzentrum läuft. Als technische Basis dienen Plattformen wie VMware, Proxmox oder OpenStack.
Ziele der Verteilung sind Wahlfreiheit, kontrollierte Kosten und verlässliche Performance.
Bevor Sie über die passenden Plattformen entscheiden, klassifizieren Sie im ersten Schritt die betreffenden Workloads:
- Kritikalität: Wie hoch wäre der wirtschaftliche Schaden bei einem Ausfall?
- Compliance: Unterliegen die Daten regulatorischen Vorgaben oder Standortanforderungen?
- Abhängigkeiten: Nutzt der Workload herstellerspezifische Funktionen? Welche Backup-, Netzwerk- und Security-Systeme sind integriert?
- Wechselbarkeit: Wie aufwendig wäre ein Umzug und welches Know-how haben Ihre Teams für eine andere Plattform?
Aus den Antworten entsteht eine Matrix mit Kritikalität auf der einen und Wechselbarkeit auf der anderen Achse. Kritische Workloads mit vielen Abhängigkeiten brauchen die stabilste Plattform und einen getesteten Ausweichplan. Unkritische Standard-Workloads mit wenigen Abhängigkeiten geben Ihnen Spielraum für Kostenoptimierung und Diversifizierung.
Auch Ihr Betriebsmodell fließt in die Bewertung ein. Manche Unternehmen betreiben ihre Plattformen weitgehend selbst. Andere geben den technischen Betrieb an einen Dienstleister ab. Je nach Modell fällt die Antwort für denselben Workload anders aus.
Integrierte Plattformen lohnen sich bei geschäftskritischen Workloads
Eine integrierte Plattform wie VMware Cloud Foundation (VCF) 9 bündelt virtuelle Maschinen, Kubernetes, Security und Infrastrukturmanagement auf einer technischen Basis. Das reduziert Schnittstellen und standardisiert den Betrieb. Die Funktionstiefe zahlt sich besonders bei ERP-Systemen und Datenbanken aus. In vielen Unternehmen wurde über die Jahre bereits VMware-Kompetenz aufgebaut, wodurch die Plattform nach wie vor bei etablierten Workloads punktet.
Mit der Funktionstiefe wächst aber auch die Bindung an die Plattform. Solange Sie Ihre Abhängigkeiten kennen, können Sie diese Bindung im Tausch gegen weniger Schnittstellen und einen einheitlichen Betrieb getrost eingehen. Entwickeln Sie in dem Fall Ihre Umgebung gezielt weiter und denken Sie gleichzeitig darüber nach, Workloads schrittweise in andere Plattformen zu verlegen, in denen sie effizienter betrieben werden.
Offene Plattformen senken die Kosten bei Standard-Workloads
Proxmox VE kombiniert KVM-basierte Virtualisierung mit Clusterbetrieb und Containern. Die Plattform ist offen und lizenzkostenfrei. Für standardisierte x86-Workloads sowie Entwicklungs- und Testumgebungen ist sie deshalb eine wirtschaftliche Alternative.
Lizenzkostenfrei bedeutet allerdings nicht betriebskostenfrei. Auch eine offene Plattform braucht qualifizierte Administration, Sicherheitsprozesse und Support. Prüfen Sie vor dem Umzug, ob Ihr Backup-Werkzeug die Plattform unterstützt. Falls diese Unterstützung fehlt, vergrößert sich der Aufwand.
>> Mehr über die Vor- und Nachteile der beiden Virtualisierungslösungen finden Sie im Beitrag „Proxmox vs. VMware“.
Kubernetes und OpenStack schaffen Portabilität für neue Workloads
Auch Kubernetes und OpenStack setzen jeweils auf offene Standards. Kubernetes orchestriert containerisierte Anwendungen. OpenStack zielt auf eine automatisierte und API-basierte Cloud-Infrastruktur. Beide passen zu cloud-nativen Workloads, bei denen Effizienz, Automatisierung und Portabilität im Mittelpunkt stehen.
Für beide Technologien gilt wie immer, dass Aufbau und Betrieb entsprechendes Know-how erfordern. Die Lernkurve gilt jedoch als steiler als zum Beispiel bei VMware. Wer das Wissen nicht im Haus hat, kann den Betrieb auch an einen Dienstleister übergeben und Angebote wie Managed Kubernetes nutzen. Zudem gibt es Lösungen wie mogenius, welche die Verwaltung von Kubernetes-Clustern weiter vereinfachen.
Welcher Anbieter? Der Workload entscheidet
Nach der Auswahl der geeigneten Plattform stellt sich die Frage nach dem passenden Anbieter. Hier empfiehlt es sich, dies ebenfalls für jeden Workload einzeln zu beantworten. Wie kritisch sind die Daten, in welchem Rechtsraum sollen sie liegen, welche Rolle spielen die Kosten?
Im „EuroCloud Pulse Check 2026“ geben 63 Prozent der befragten Unternehmen an, für die Geschäftsprozesssoftware wie ERP oder CRM relevant ist, einen europäischen Anbieter zu bevorzugen. Beim Training von KI-Modellen liegen europäische, hybride und nicht-europäische Anbieter mit 37, 32 und 31 Prozent nah beieinander.
Kosten optimieren Sie über den gesamten Lebenszyklus einer Plattform
Um die Kosten verschiedener Plattformen zu vergleichen, sollte nicht nur der Einstiegspreis beachtet werden, sondern auch Lizenzen und Infrastruktur, laufender Betrieb (Day-2-Operations), spezialisiertes Personal, Support, Migration und späterer Ausstieg. Dabei bleiben die Annahmen für alle Varianten gleich: dieselbe Laufzeit und dieselbe Verfügbarkeitsanforderung.
Zu beachten ist dabei, dass sich im Hinblick auf den Ausstieg die Rechnung 2027 ändert. Der EU Data Act verbietet Wechselentgelte bei Cloud-Anbietern ab dem 12. Januar 2027. Das schließt Gebühren für die Datenübertragung beim Wechsel ein.
Im Parallelbetrieb auf mehreren Plattformen dürfen Anbieter weiterhin Gebühren für die Datenübertragung erheben. Sie dürfen dabei aber nur die Kosten weitergeben, die ihnen dafür tatsächlich entstehen. Laufende Servicegebühren und Entgelte für vorzeitige Kündigung bleiben unberührt. Im Herbst 2026 nehmen bereits 45 Prozent der Unternehmen laut „EuroCloud Pulse Check 2026“ eine Erleichterung beim Wechsel wahr.
Ausstiegskosten bestehen trotzdem weiter: Migration, Personal und der Betrieb der Zielplattform bleiben Ihre Aufgabe.
Die richtige Platzierung sichert die Performance
Performance hängt stark davon ab, wo ein Workload läuft. Halten Sie Anwendung und zugehörige Datenbank auf derselben Plattform oder zumindest im selben Rechenzentrum. So bleiben die Latenzen niedrig. Datenintensive Workloads gehören dorthin, wo die Daten liegen. Jeder Transfer zwischen Plattformen kostet Zeit und kann Gebühren für die Datenübertragung auslösen.
Unabhängigkeit entsteht durch Exit-Fähigkeit von Anfang an
Viele Unternehmen beschäftigen sich erst mit einem Ausstieg, wenn der Wechsel bereits beschlossen ist. Dann lassen sich Architekturentscheidungen kaum noch korrigieren. Bei Infrastruktur und Virtualisierung rechnen 60 Prozent der Befragten der Studie „Digitale Souveränität 2026“ mit bis zu sechs Monaten für einen vollständigen Anbieterwechsel. Knapp 29 Prozent veranschlagen mehr als ein Jahr. Doch welche Maßnahmen tragen dazu bei, dass Anbieter- oder Plattformwechsel schneller ablaufen?
- Stellen Sie sicher, dass sich Backups unabhängig vom bisherigen Hypervisor wiederherstellen lassen.
- Halten Sie Daten, Konfigurationen und Schlüssel außerhalb der Plattform und in offenen Formaten vor. Verwalten Sie Schlüssel selbst (bring your own key), damit verschlüsselte Daten nach einem Wechsel lesbar bleiben.
- Setzen Sie auf offene Formate, dokumentierte Schnittstellen und eine Trennung von Anwendung, Daten und Infrastruktur.
- Konfigurationen liegen am besten als Code vor. Binden Sie diese Vorlagen nicht an proprietäre Ressourcen.
Am Ende zählt der Praxistest. Stellen Sie ausgewählte Workloads testweise in einer alternativen Umgebung wieder her. Dabei zeigt sich, ob Netzwerk- und Identitätsdienste, Zertifikate, Monitoring, Logging und Backup zusammenspielen.
Nicht jeder Workload braucht eine gespiegelte Zweitumgebung. Für weniger kritische Anwendungen reichen dokumentierte Migrationsprozesse und regelmäßige Wiederherstellungstests. Bei besonders kritischen Anwendungen lohnt sich ein bereits getesteter Ausweichbetrieb.
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FAQ
Platzieren Sie Anwendung und Datenbank auf derselben Plattform oder im selben Rechenzentrum. Datenintensive Workloads laufen dort, wo die Daten liegen.
