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04.07.2026

Multi-Cloud: Definition, Vorteile, Nachteile und Strategie

plusserver-Blog-Multi Cloud

Immer mehr Unternehmen nutzen mehr als eine Cloud-Plattform und damit ein Architekturmodell, das als Multi-Cloud bekannt ist. Sie kombinieren die Angebote verschiedener Cloud-Anbieter, um unterschiedliche Anforderungen an Leistung, Sicherheit, Kosten, Flexibilität oder Datenstandort abzudecken. 

Laut Bitkom Cloud Report 2026 setzen 38 Prozent der Unternehmen auf Cloud-Dienste verschiedener Anbieter. Weitere Unternehmen planen oder diskutieren entsprechende Cloud-Strategien.

Doch mehrere Clouds zu nutzen, bedeutet nicht automatisch eine bessere Cloud-Strategie. Mit der Flexibilität steigen auch Anforderungen an Architektur, Security, Governance und Kostenkontrolle.

Multi-Cloud Zusammenfassung

Was ist Multi-Cloud?

Multi-Cloud bezeichnet die Nutzung von Cloud-Diensten von mindestens zwei unterschiedlichen Cloud-Anbietern. Unternehmen verteilen dabei Anwendungen, Daten oder andere Workloads auf verschiedene Cloud-Umgebungen.

Welche Anbieter und Cloud-Modelle dabei kombiniert werden, hängt von den individuellen Anforderungen ab. Möglich ist beispielsweise die Nutzung mehrerer Public Clouds. Eine Multi-Cloud kann aber auch mit Private-Cloud– oder On-Premises-Ressourcen kombiniert werden.

Eine Multi-Cloud ist damit kein einzelnes Produkt, sondern ein strategisches Architektur- und Betriebsmodell.

Multi-Cloud einfach erklärt (mit Beispiel)

Wie sieht dies in der Praxis aus? Ein Unternehmen betreibt beispielsweise seine geschäftskritischen Standardanwendungen bei einem Cloud Provider in Deutschland. Für eine bestimmte KI-Anwendung nutzt es zusätzlich einen spezialisierten Service eines anderen Anbieters. Eine weitere Anwendung läuft möglicherweise auf einer dritten Cloud-Plattform.
Das Unternehmen nutzt damit nicht „eine große Cloud“, sondern wählt für unterschiedliche Workloads jeweils die passende Umgebung.

Beispiel für eine Multi-Cloud-Architektur

Warum setzen Unternehmen auf Multi-Cloud?

Die Gründe für eine Multi-Cloud sind vielfältig. Im Mittelpunkt stehen heute vor allem Flexibilität, Resilienz, Anbieterunabhängigkeit und digitale Souveränität.

1. Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduzieren

Wer sämtliche Workloads bei einem einzigen Cloud Provider betreibt, macht sich in gewissem Umfang von dessen Preisen, Technologien, Vertragsbedingungen und Produktstrategie abhängig.

Eine Multi-Cloud kann diese Abhängigkeit reduzieren, indem Unternehmen mehrere Anbieter einsetzen und ihre Workloads gezielt verteilen.

Allerdings gilt: Multi-Cloud verhindert Vendor Lock-in nicht automatisch. Wer stark auf proprietäre Datenbanken, APIs oder Plattformdienste eines einzelnen Providers setzt, kann auch innerhalb einer Multi-Cloud von diesem Anbieter abhängig bleiben.

Entscheidend ist deshalb eine möglichst hohe Portabilität von Anwendungen und Daten.

2. Best-of-Breed nutzen

Nicht jeder Cloud-Anbieter bietet für jeden Anwendungsfall dieselben Stärken. Ein Provider kann beispielsweise besonders attraktive Compute-Ressourcen bieten, ein anderer einen spezialisierten KI-Service oder bestimmte Compliance- und Standortvorteile.

Mit einer Multi-Cloud können Unternehmen für unterschiedliche Workloads die jeweils geeignete Infrastruktur auswählen.

3. Resilienz erhöhen

Nicht nur auf eine einzelne Plattform oder einen einzelnen Anbieter zu setzen, ist insbesondere für geschäftskritische Anwendungen interessant. Fällt eine Plattform aus, kann eine redundante Architektur mit mehreren Umgebungen die Auswirkungen begrenzen.

Aber: Zwei Clouds allein machen eine Anwendung noch nicht ausfallsicher. Dafür müssen unter anderem Daten, Netzwerkverbindungen, Identitäten, Backups und Anwendungen entsprechend redundant ausgelegt sein.

Die Bedeutung dieses Themas zeigt sich auch in aktuellen Zahlen: Laut Bitkom müssten 46 Prozent der Unternehmen bei einem längeren Cloud-Ausfall ihren Geschäftsbetrieb irgendwann einstellen. Nur 8 Prozent nutzen derzeit einen zweiten Cloud-Anbieter ausdrücklich als Maßnahme gegen Cloud-Ausfälle.

4. Digitale Souveränität stärken

Multi-Cloud kann auch ein Baustein für mehr digitale Souveränität sein. Entscheidend dabei ist, Abhängigkeiten bewusst zu gestalten und kritische Daten und Workloads dort zu betreiben, wo rechtliche, technische und wirtschaftliche Anforderungen erfüllt werden.

Es liegt auf der Hand, dass eine Multi-Cloud aus mehreren US-Hyperscalern zwar die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter reduziert, aber nicht die Abhängigkeit von außereuropäischen Cloud-Technologien.

Für mehr Souveränität kann deshalb eine Kombination unterschiedlicher Anbieter und Betriebsmodelle sinnvoll sein – beispielsweise europäische oder deutsche Cloud-Infrastrukturen für besonders sensible Workloads und spezialisierte internationale Services für bestimmte Anwendungen.

85 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen halten Deutschland inzwischen für zu abhängig von US-amerikanischen Cloud-Anbietern. 37 Prozent wären bereit, einen Cloud-Dienst zu nutzen, der Daten ausschließlich in Deutschland verarbeitet und vor ausländischem Zugriff schützt – selbst wenn dies mit höheren Kosten oder weniger Funktionen verbunden wäre.

5. Flexibilität und Skalierbarkeit

Cloud-Infrastrukturen lassen sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Eine Multi-Cloud erweitert diese Auswahl um zusätzliche Anbieter und Plattformen.

Unternehmen können dadurch beispielsweise:

  • zusätzliche Kapazitäten bereitstellen,
  • Workloads zwischen Umgebungen verteilen,
  • unterschiedliche Standorte berücksichtigen,
  • neue Cloud-Technologien testen,
  • Anwendungen schrittweise migrieren.


Damit kann Multi-Cloud insbesondere für Unternehmen interessant sein, deren Anforderungen sich schnell verändern.

Multi-Cloud vs. Hybrid Cloud: Wo liegt der Unterschied?

Multi-Cloud und Hybrid Cloud werden häufig synonym verwendet. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Konzepte. Multi-Cloud beschreibt vor allem die Nutzung mehrerer Anbieter, Hybrid Cloud die Kombination unterschiedlicher Cloud- bzw. Infrastrukturmodelle.

KriteriumMulti-CloudHybrid Cloud
GrundideeNutzung mehrerer Cloud-AnbieterKombination verschiedener Infrastrukturtypen
Typische KombinationPublic Cloud A + Public Cloud BPrivate Cloud/On-Premises + Public Cloud
AnbieterMindestens zwei Cloud ProviderKann auch nur einen Public-Cloud-Anbieter umfassen
FokusAnbieterwahl und Workload-VerteilungZusammenspiel verschiedener Umgebungen
Kombination möglich?JaJa

Eine Multi-Cloud kann also gleichzeitig eine Hybrid Cloud sein. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Unternehmen zwei Public Clouds mit einer Private Cloud kombiniert.

Welche Nachteile und Herausforderungen hat Multi-Cloud?

Höhere technische Komplexität

Jeder Cloud Provider bringt eigene APIs, Managementoberflächen, Sicherheitskonzepte, Netzwerke und Abrechnungsmodelle mit. IT-Teams müssen diese Unterschiede beherrschen und gleichzeitig für einen konsistenten Betrieb sorgen.

Security über mehrere Umgebungen

Eine Multi-Cloud vergrößert die Zahl der Systeme, Schnittstellen und Identitäten, die abgesichert werden müssen.
Besonders wichtig sind deshalb:

 

Eine zentrale Security-Strategie ist dabei wichtiger als die Frage, wie viele Cloud-Anbieter eingesetzt werden.

Kostenkontrolle wird anspruchsvoller

Multi-Cloud kann dabei helfen, die Cloud-Kosten zu optimieren – sie kann aber auch zusätzliche Kosten verursachen, zum Beispiel durch:

  • Netzwerkverkehr und Datentransfers
  • Egress-Kosten
  • Monitoring und Security
  • Managementaufwand

 

Entscheidend sind schlussendlich die Gesamtkosten über den Lebenszyklus eines Workloads

Unterschiedliche Compliance-Anforderungen

Daten können je nach Anbieter, Region und Service unterschiedlich verarbeitet und gespeichert werden.
Für sensible Daten sollten Unternehmen deshalb unter anderem prüfen:

  • Wo werden Daten gespeichert?
  • Wo werden sie verarbeitet?
  • Wer kann darauf zugreifen?
  • Welcher Rechtsraum gilt?
  • Welche Zertifizierungen und Nachweise liegen vor?
  • Welche vertraglichen Regelungen gelten?

 

Gerade bei regulierten Unternehmen sollte die Auswahl der Cloud-Umgebung deshalb Teil einer übergreifenden Governance sein.

Verhindert Multi-Cloud Vendor Lock-in?

Nein, zumindest nicht automatisch.
Die Nutzung mehrerer Anbieter kann die Abhängigkeit von einem einzelnen Provider reduzieren. Gleichzeitig können proprietäre Cloud-Dienste neue Abhängigkeiten schaffen.
Ein Unternehmen kann beispielsweise mehrere Cloud Provider einsetzen, aber seine Anwendungen so stark an einen proprietären Datenbank-, KI- oder PaaS-Service binden, dass ein Wechsel trotzdem schwierig und teuer wäre.

Für eine möglichst hohe Portabilität sind deshalb unter anderem relevant:

 

Die eigentliche Frage sollte deshalb lauten:
„Wie schnell und mit welchem Aufwand könnten wir einen Workload zu einem anderen Anbieter verschieben?“

Welche Rolle spielt Kubernetes in einer Multi-Cloud?

Open-Source-Technologien wie Kubernetes, Container und Microservices werden häufig als wichtige Bausteine für portable Cloud-Architekturen eingesetzt. Containerisierte Anwendungen lassen sich mit Kubernetes über unterschiedliche Infrastrukturen hinweg betreiben. Dadurch entsteht eine einheitlichere Plattform für Deployment und Betrieb, unabhängig davon, wo die zugrunde liegenden Ressourcen bereitgestellt werden.

Kubernetes kann damit helfen, Multi-Cloud-Architekturen portabler zu machen. Es löst jedoch nicht automatisch alle Herausforderungen. Auch bei Kubernetes müssen Unternehmen beispielsweise Netzwerk, Storage, Security, Identity, Monitoring und Cluster-Management über mehrere Umgebungen hinweg organisieren.

Multi-Cloud-Management: Wie lassen sich mehrere Clouds effizient betreiben?

Je mehr Cloud-Umgebungen zum Einsatz kommen, desto wichtiger wird ein übergreifendes Management.

Cloud Governance

Governance definiert Regeln für die Nutzung der verschiedenen Cloud-Umgebungen. Dazu gehören beispielsweise Vorgaben für Sicherheit, Compliance, Zugriffsrechte, Datenhaltung und die Auswahl geeigneter Services.

Zentrales Monitoring und Observability

IT-Teams sollten Anwendungen und Infrastruktur möglichst übergreifend überwachen können. Dabei geht es nicht nur um Verfügbarkeit, sondern auch um Performance, Ressourcenverbrauch und Sicherheitsereignisse.

Infrastructure as Code

Infrastructure as Code ermöglicht es, Infrastruktur standardisiert und automatisiert bereitzustellen. Das erleichtert die Wiederholbarkeit und kann Unterschiede zwischen einzelnen Umgebungen reduzieren.

FinOps

FinOps verbindet technische und kaufmännische Perspektiven auf Cloud-Kosten. Gerade in einer Multi-Cloud sollten Unternehmen transparent nachvollziehen können, welche Workloads welche Kosten verursachen und ob deren Platzierung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Automatisierung

Je mehr Prozesse automatisiert werden können, desto weniger manueller Aufwand entsteht beim Betrieb. Das betrifft beispielsweise Provisionierung, Deployments, Skalierung, Backups und Policy Enforcement.

Wie entwickelt man eine Multi-Cloud-Strategie?

Dass eine erfolgreiche Multi-Cloud nicht dadurch entsteht, dass ein Unternehmen einfach mehrere Cloud-Verträge abschließt, ist sicherlich jedem klar. Wie lässt sich aber eine solide Multi-Cloud-Strategie gestalten?

Die folgenden Schritte können eine erste Orientierung bieten:

1. Workloads analysieren

Welche Anwendungen und Daten gibt es? Welche Anforderungen bestehen hinsichtlich Performance, Verfügbarkeit, Compliance und Datenstandort?

2. Anforderungen definieren

Für jeden Workload sollte festgelegt werden, welche Kriterien die Cloud-Umgebung erfüllen muss. Dazu können gehören:

  • Kosten
  • Performance
  • Verfügbarkeit
  • Security
  • Datenstandort
  • Compliance
  • Skalierbarkeit
  • Portabilität

3. Anbieter auswählen

Erst auf Basis dieser Anforderungen lässt sich entscheiden, welche Anbieter und Cloud-Modelle geeignet sind.

4. Architektur und Governance festlegen

Unternehmen sollten früh definieren, wie Netzwerk, Identitäten, Security, Daten, Monitoring und Verantwortlichkeiten über die verschiedenen Umgebungen hinweg organisiert werden.

5. Portabilität sicherstellen

Wer Anbieterabhängigkeiten reduzieren möchte, sollte bereits bei der Architektur auf möglichst portable Technologien und klare Exit-Szenarien achten.

6. Kosten und Betrieb kontinuierlich optimieren

Eine Multi-Cloud-Strategie ist kein einmaliges Projekt. Anforderungen, Preise, Technologien und Geschäftsmodelle verändern sich. Deshalb sollten Workloads und Anbieter regelmäßig überprüft werden.

Evaluieren Sie aktuell Ihre Cloud-Strategie?

Gemeinsam mit Ihnen analysieren wir gerne Ihre Anforderungen und entwickeln die passende Cloud-Strategie. Private oder Public, basierend auf VMware, Proxmox oder OpenStack – wir unterstützen Sie von der Planung bis zum Betrieb.

Häufige Fragen zur Multi-Cloud (FAQ)

Multi-Cloud bedeutet, dass ein Unternehmen Cloud-Dienste von mindestens zwei unterschiedlichen Anbietern nutzt. Die verschiedenen Clouds können für unterschiedliche Anwendungen, Daten oder Workloads eingesetzt werden.

Bei Multi-Cloud steht die Nutzung mehrerer Cloud-Anbieter im Mittelpunkt. Hybrid Cloud bezeichnet dagegen die Kombination von Private Cloud beziehungsweise On-Premises-Infrastruktur mit Public-Cloud-Ressourcen. Beide Modelle können miteinander kombiniert werden.

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören eine größere Anbieter- und Technologiewahl, mehr Flexibilität, potenziell höhere Resilienz sowie die Möglichkeit, Abhängigkeiten von einzelnen Cloud Providern zu reduzieren.

Die wichtigsten Herausforderungen sind höhere technische und organisatorische Komplexität, anspruchsvolleres Security- und Kostenmanagement sowie zusätzlicher Aufwand für Governance und Betrieb.

Multi-Cloud ist nicht automatisch sicherer oder unsicherer als eine Single Cloud. Die Sicherheit hängt wesentlich von Architektur, Konfiguration, Identitätsmanagement, Netzwerkdesign, Monitoring und Governance ab.

Nicht zwingend. Durch die Auswahl geeigneter Anbieter können Kosten optimiert werden. Gleichzeitig können zusätzliche Management-, Netzwerk- und Datentransferkosten entstehen. Eine wirtschaftliche Bewertung sollte deshalb die Gesamtkosten eines Workloads betrachten.

Multi-Cloud kann die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter reduzieren. Sie verhindert Vendor Lock-in aber nicht automatisch. Proprietäre Services können auch in einer Multi-Cloud zu starken Abhängigkeiten führen.

Kubernetes kann Anwendungen portabler machen und einen einheitlicheren Betrieb containerisierter Workloads über verschiedene Infrastrukturen ermöglichen. Für eine funktionierende Multi-Cloud müssen jedoch weiterhin Themen wie Netzwerk, Storage, Security und Management gelöst werden.

Nein. Multi-Cloud ist kein Selbstzweck. Unternehmen sollten zunächst ihre Anforderungen und Workloads analysieren und anschließend entscheiden, ob mehrere Cloud-Anbieter einen konkreten strategischen oder technischen Mehrwert bieten.

Über den Autor

Kirsten Nothbaum ist Senior Content & Product Marketing Manager bei plusserver und blickt auf mehr als 15 Jahre in der IT-Branche zurück. Sie verantwortet unter anderem die Positionierung und Marketinginhalte der Kubernetes- sowie Security-Produkte.

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