Gaia-X: ein europäisches Cloud-Ökosystem auf der Basis gemeinsamer Standards

Das Projekt Gaia-X wurde gestartet, um europäischen Unternehmen und Bürgern eine leistungsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur zu geben. Hinter der im Herbst 2019 von Deutschland und Frankreich ins Leben gerufenen Initiative stehen inzwischen viele europäische Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Gaia-X ist aus unserer Sicht ein zentraler Eckpfeiler für eine europäische Cloud-Strategie.


Die Erwartungen an Gaia-X sind groß, denn inzwischen arbeiten über 500 Hersteller und Organisationen aus vielen Ländern intensiv an dem Projekt, darunter die Gründungsmitglieder Atos, BMW, Bosch, Deutsche Telekom, EDF Électricité de France, Fraunhofer Gesellschaft, Orange, SAP, Safran, Siemens und auch Plusserver. Ihr gemeinsames Ziel ist die Entwicklung einer vernetzten europäischen Dateninfrastruktur, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und zukunftssicher funktioniert. In einem offenen, transparenten und digitalen Ökosystem sollen Daten und Dienste verfügbar gemacht, zusammengeführt, vertrauensvoll geteilt und genutzt werden können.

Gaia-X baut auf bestehende Initiativen auf, die schon jetzt die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Datenräume in der EU und in ihren Mitgliedsstaaten vorantreiben. Diese Initiativen bilden die Basis für einen Gaia-X-Hub. Als Knotenpunkte stellen sie sozusagen die Stimmen der Anwender auf nationaler Ebene dar.

Ihr Hauptziel ist es, ein europäisches Ökosystem aufzubauen, das nationale Initiativen bündelt und als zentrale Anlaufstelle für Interessierte im jeweiligen Land dient. Alle Komponenten stehen in engem Austausch miteinander, um sich international abzustimmen, Anforderungen zu definieren sowie regulatorische Hürden zu identifizieren und zu überwinden.

Gaia-X baut auf die bewährten Stärken Europas: Angebotsvielfalt sowie starke dezentrale und mittelständische Strukturen.

Weil Gaia-X zentrale und dezentrale Infrastrukturen zu einem Verbund vernetzt, kann jeder Cloud-Anbieter zu einem Gaia-X-Knoten werden. Die Anbieter müssen eindeutig identifizierbar sein und eine Selbstbeschreibung liefern, darunter Informationen zum angebotenen Dienst, Preismodell oder zu zertifizierten Schutzgraden. Ein zentraler Verzeichnisdienst soll Anwendern helfen, passende Anbieter und relevante Datenpools schnell und sicher zu finden. Dabei könnten bestehende Aktivitäten, wie zum Beispiel die Initiative zur Datensouveränität der IDS (International Data Spaces Association) oder die Vorarbeiten von Trusted Cloud für die Zertifizierung, integriert werden.

Gaia-X ist geprägt von Offenheit und Transparenz und baut auf die bewährten Stärken Europas: Dazu gehören unter anderem die Angebotsvielfalt sowie starke dezentrale und mittelständische Strukturen. So lassen sich die vielen Investitionen in digitale Technologien, die europaweit getätigt werden, verknüpfen und wirkungsvoller umsetzen.

Gaia-X fördert den Open-Source-Gedanken und unterstützt auf dieser Basis alle Mitwirkenden, auch natürliche Personen. Dabei arbeiten alle Beteiligten auf einer gemeinsamen Plattform an definierten Arbeitspaketen, Mitglieder und Nicht-Mitglieder arbeiten Seite an Seite zusammen – sowohl aus der Anwender- als auch aus der Anbieterperspektive.

Trivia
Für den Projektnamen Gaia-X stand die segenspendende Göttin der Erde Pate, eine der ersten Gottheiten in der griechischen Mythologie. Angeblich hatten die Projektgründer umständliche Bezeichnungen wie „General Artificial Intelligence Architecture“ verworfen und kamen so über das Akronym auf Gaia-X.

Warum Europa ein eigenes Cloud-Projekt braucht

Seit Jahren fordern europäische Politiker und Wirtschaftsexperten mehr digitale Souveränität für die EU und ihre Mitgliedsstaaten. Gaia-X ist der Ansatz hierfür, eine europäische Cloud-Infrastruktur, die inzwischen sogar über Europa hinausgehend gedacht wird.

Um im digitalen Business unabhängig handeln und entscheiden zu können, benötigen Unternehmen Sicherheit. Diese ist keinesfalls selbstverständlich, weil die großen Cloud-Anbieter ihren Hauptsitz außerhalb der EU haben, wo bezüglich Datenschutz und Leistungsversprechen andere Gesetze gelten als in Europa. Hier setzt Gaia-X an, als europäische Ergänzung zum bestehenden Angebot für eine DSGVO-konforme Dateninfrastruktur.

Da Gaia-X die Datensouveränität von Unternehmen stärken möchte, ist einer ihrer zentralen Bausteine der Einsatz von Open-Source-Software, zum Beispiel der Sovereign Cloud Stack (SCS), das für Gaia-X weiterentwickelt wird. Er ist datenschutzkonform, zertifiziert und kompatibel mit verschiedenen Herstellern. Der SCS soll europäischen Kunden eine sichere und rechtskonforme Alternative zu den Cloud- und Plattformgiganten aus den USA und China bieten.

Als technische Grundlage für ein europäisches Cloud-Ökosystem bietet der SCS Merkmale, die ihn zu einem wichtigen Pfeiler in Sachen Daten- und Technologiesouveränität machen. Der Code soll Transparenz, Interoperabilität und Unabhängigkeit von Dritten gewährleisten, um politische und wirtschaftliche Einflussnahme zu verhindern.

SCS setzt bereits standardisierte OSS-Komponenten ein, etwa OpenStack oder das von Google an die Cloud Native Computing Foundation gespendete Kubernetes. Zudem liefert es Standards für die Installation, Konfiguration und den Betrieb einer Cloud. Jede Implementierung wird anhand von Referenzmodellen getestet und zertifiziert. Dadurch sind alle Gaia-X-kompatiblen Clouds auf SCS-Basis interoperabel.

Aus Sicht eines Cloud-Providers ist der SCS eine komplett modulare und offene Softwareumgebung: Sie besteht aus einer Vielzahl an Komponenten und bildet damit eine umfassende Cloud- und Container-Infrastruktur, die auf Standardhardware läuft. Dabei sind die Nutzer aufgrund des Serviceverbunds völlig frei, welche Dienste sie bei ihrem Infrastrukturanbieter buchen. Stattdessen wählen sie unter einer Vielzahl an Gaia-X-Anbietern die zu ihnen passenden Services aus.

 

Video-Statement von Dr. Oliver Mauss

Im Rahmen des Ministertalks und virtuellen Gaia-X-Fachforums am 4. Juni 2020 sprach plusserver-CEO Dr. Oliver Mauss über unsere Rolle bei der Gaia-X-Gesellschaft und dem Sovereign Cloud Stack (SCS).

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HIGHLIGHTS

Europäische Werte: die Gaia-X-Leitprinzipien

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Europäisches Datenschutzrecht

Gaia-X strebt eine neue, rechtssichere Cloud-Infrastruktur für den Datenverkehr innerhalb der EU gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) an.

+

Offenheit und Transparenz

Das Projekt setzt auf jederzeit nachvollziehbare sichere Technologien auf Open-Source-Basis, in einem offenen Ökosystem.

+

Authentizität und Vertrauen

Teilnehmer an Gaia-X müssen sich bzgl. IT-Sicherheit, Service, Datensouveränität und ihrer Geschäftsbedingungen zertifizieren lassen.

+

Digitale Souveränität und Selbstbestimmung

Eine dezentrale bzw. verteilte Datenverarbeitung über Multi-Edge, Multi-Cloud oder Edge-to-Cloud ebnet den Weg für IoT, Connected Cars und intelligente Fabrikation.

+

Freier Marktzugang und europäische Wertschöpfung

Das klare Bekenntnis zur Interoperabilität der Angebote verknüpft europäische Unternehmen jeder Größe: vom Industriekonzern über Mittelständler bis hin zum Start-up.

+

Modularität und Interoperabilität

Durch Interoperabilität und Interkonnektivität können sich irgendwann Wertschöpfungsnetzwerke sowohl intern als auch firmenübergreifend ständig neu konfigurieren.

+

Nutzerfreundlichkeit

Die Gaia-X-Services werden im stetigen Dialog mit Anwendern auf Nutzerfreundlichkeit geprüft: Offenheit, Modularität und geringe Hürden.

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