Warum alle auf Multi-Cloud umsteigen

Der Trend zur Multi-Cloud hat sich 2020 beschleunigt. Eine techconsult-Studie belegt, dass drei Viertel der deutschen Unternehmen eine Multi-Cloud-Strategie verfolgen, also auf mehr als einen Public-Cloud-Anbieter setzen. Eine bessere Performance, mehr Tempo und höhere Ausfallsicherheit werden als Hauptgründe für die Multi Cloud Migration angeführt. Positiver Nebeneffekt: Rund die Hälfte der Befragten verspricht sich davon mehr Flexibilität und Agilität für ihre IT-Infrastruktur.


Ziel einer Multi-Cloud Migration ist es, die besten Services verschiedener Anbieter auf der Basis der geschäftlichen Anforderungen, der geografischen Verfügbarkeit, der Kosten sowie weiterer Faktoren nutzen zu können. Das kann beispielsweise so aussehen, dass ein Unternehmen die Google Cloud für die Entwicklung nutzt, AWS für das Filehosting und Microsoft Azure für die Verarbeitung der eigenen Geschäftsdaten. Ein Umzug in die Multi-Cloud erschließt dem Unternehmen die üblichen Services des Cloud-Computings wie Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) oder Infrastructure-as-a-Service (IaaS).

Dass Multi-Cloud aus der aktuellen Unternehmenswelt nicht mehr wegzudenken ist, bestätigt die im Februar 2021 veröffentlichte repräsentative Studie des Analyse- und Marktforschungsinstituts techconsult. 72 Prozent der Befragten gehen demnach davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren der Multi-Cloud-Anteil in Unternehmen zunehmen oder stark zunehmen wird. 

Mit 47 Prozent setzt fast die Hälfte der Unternehmen auf zwei Cloud-Anbieter, 37 Prozent auf drei und 16 Prozent auf vier. (Quelle: techconsult)

Als Hauptgründe für die Multi-Cloud Migration geben 51 Prozent der Befragten die höhere Performance an, 35 Prozent schätzen Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit, 33 Prozent begrüßen die geringere Abhängigkeit von einem Anbieter bzw. die Vermeidung von Vendor-Lock-ins. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine gut geplante und zentral gesteuerte Multi-Cloud-Strategie die Grundlage für eine agile und flexible digitale Transformation sein wird.

Multi-Cloud Migration: Planung ist das A und O

Ob ein Unternehmen bereits Cloud-Erfahrungen hat oder komplett Neuland betritt: Der Schritt in eine Multi-Cloud muss gut geplant und kommuniziert werden. Technisch mag die Cloud-Migration leicht umsetzbar sein, doch man sollte stets die organisatorischen Herausforderungen und die fachlichen Grenzen im Auge behalten. Schon die Idee, sich vom eigenen Rechenzentrum zu lösen, kann für die IT eine schwer zu verdauende Vorstellung sein (Stichwort: Unternehmenskultur).

Sowohl das Management als auch die Verantwortlichen im Unternehmen müssen eine klare Vorstellung vom Kurs der Cloud-Reise haben. Die strategischen Ziele der Migration sind in der Regel das Ergebnis eines sogenannten „Cloud Readiness Assessment“. In diesem Rahmen wird geprüft, wie viel Cloud ein Unternehmen überhaupt verträgt. Sind alle Anwendungen abbildbar? Müssen manche Prozesse geändert werden, um Cloud Ready zu sein? Ist die technische Infrastruktur für den Cloud-Verkehr gewappnet? Und gerade in Deutschland stellt sich oft die Frage: Reicht die Internet-Bandbreite am Firmenstandort überhaupt aus?

Glücklicherweise erlaubt die Multi-Cloud Migration ein schrittweises Vorgehen. So könnte die Unternehmens-IT zunächst ihre lokale Architektur mit Blick auf die Cloud umbauen. Danach sollten Anwendungen und Workloads nach und nach in die Cloud migriert werden. Mit einer solchen Marschroute lassen sich Prozesse und Mitarbeiter transparent an die neue Technologie heranführen.

HIGHLIGHTS

Vorteile einer Multi-Cloud

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Flexibilität

Multi-Cloud bietet Unternehmen die Möglichkeit, das Beste aus jeder Plattform zu nutzen, um eine spezifische Infrastruktur zusammenzustellen, die perfekt zu den Businesszielen passt.

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Performance

Eine Multi-Cloud-Strategie erlaubt die maximale Kontrolle darüber, welche Plattform die beste Leistung, Sicherheit und Produktivität für jede einzelne Geschäftskomponente bringt.

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Verfügbarkeit

Auch große Cloud-Provider sind nicht vor Ausfällen gefeit. Eine Multi-Cloud-Struktur kann die Datenlast auf mehrere Provider oder auf mehrere Regionen eines einzelnen Providers verteilen.

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Beste Lösung zum besten Preis

Weil jeder Cloud-Anbieter Stärken und Schwächen aufweist, erlaubt der Multi-Cloud-Ansatz, die besten Eigenschaften der einzelnen Anbieter zu vereinen (Best of Breed).

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Anbieterunabhängigkeit

Anbieterunabhängigkeit steht beim Risiko-Management vieler Unternehmen an erster Stelle. Eine Multi-Cloud-Strategie bietet die beste Voraussetzung, einen Vendor-Lock-in zu vermeiden.

Wohin migrieren? Public-Cloud-Dienste im Überblick

Welcher Cloud-Anbieter für welche Aufgabe besser geeignet ist, hängt letztlich von der Struktur des Business ab, das in die Cloud gebracht werden soll. Deshalb ist der erste Schritt zur Wahl des richtigen Cloud-Providers die Analyse der eigenen Anforderungen. Erst im nächsten Schritt lässt sich bewerten, welcher Service zu welchen Anwendungen am besten passt.

Bei diesen Entscheidungen kommen die Vorteile der Multi-Cloud-Strategie zum Tragen. Neben der Flexibilität ist das vor allem die Wahlmöglichkeit zwischen den Cloud-Providern.

Amazon Web Services


AWS gilt als die führende Lösung für Unternehmen mit Web-Scale-Anwendungen, die eine große Anzahl von Benutzern unterstützen müssen. In Bezug auf PaaS und IaaS bietet AWS den Unternehmen umfangreiche Computerressourcen. Netflix, Airbnb und Expedia nutzen die Rechenressource Elastic Compute Cloud (ECS), um ihren Service Millionen Usern weltweit anzubieten.

Google Cloud Platform


Google Cloud Platform (GPC) bietet großen und kleinen Unternehmen eine umfangreiche Palette an Dienstleistungen und Produkten: Computing, Storage, Networking, Big Data und Machine-Learning. Die große Stärke liegt im Datenmanagement. Anbieter von IoT-Geräten oder -Produkten setzen gerne auf die Funktionen des maschinellen Lernens der Google-Plattform.

Microsoft Azure


Microsoft Azure ist eine skalierbare Cloud-Computing-Plattform für Unternehmen und Entwickler, die Cloud-Dienste wie IaaS, PaaS und SaaS sowie rund 200 Services weltweit bereitstellt. Dank professionell betriebener Rechenzentren in aller Welt garantiert Microsoft eine hohe Verfügbarkeit in allen Regionen. Kleinere und mittlere Unternehmen nutzen Azure als Hosting-Lösung für SAP-Systeme.

Unabhängige Cloud Provider


In den letzten Jahren bereichern zunehmend europäische Cloud-Anbieter den Markt. Sie sind für alle Unternehmen interessant, die ihre Datenprozesse nicht den US-amerikanischen Hyperscalern überlassen möchten. Deren Marktdominanz schränkt zudem die digitale Souveränität der Cloud-Infrastruktur in Europa ein. Eine Antwort darauf ist Gaia-X, mit dem das Bundeswirtschaftsministerium eine sichere und vernetzte Dateninfrastruktur für Europa schaffen will.

Multi-Cloud vs. Hybrid Cloud

Neben der Multi-Cloud-Migration bietet sich auch der Einsatz einer Hybrid Cloud für Unternehmen an. Worin liegt der Unterschied zwischen Multi-Cloud und Hybrid Cloud? Hybrid Cloud bezeichnet die Kombination einer Public Cloud mit einer Private Cloud und wird genutzt, wenn Unternehmen aus Sicherheits- oder Compliance-Gründen nicht alle Daten in der Public Cloud verarbeiten möchten. Eine Multi-Cloud-Umgebung nutzt die Public-Cloud-Dienste mehrerer Anbieter parallel. Dabei kann auch eine Private Cloud im Spiel sein, muss aber nicht.

Multi-Cloud wird als Evolutionsstufe des Cloud Computings interpretiert, weil das Konzept eine Art Erweiterung des Hybrid-Cloud-Modells darstellt. In einer Multi-Cloud sind die Cloud-Dienste und -Plattformen unterschiedlicher Anbieter zu einer aus Anwendersicht einzigen großen Cloud vereint. Dabei können unterschiedliche Strategien verfolgt werden. Auf diese Art kann die IT-Abteilung die optimale Cloud für ihre jeweiligen Anforderungen entwerfen.

3 Denkanstöße vor der Multi-Cloud Migration

Große und kleine Unternehmen in aller Welt setzen bereits vollständig auf die Dienste mehrerer Cloud-Services und haben akzeptiert, dass ihr Rechenzentrum Geschichte ist. An dessen Stelle sind Multi-Cloud-, Hybrid- und Container-basierte Infrastrukturen getreten. Die Migration in die Cloud verspricht viele Vorteile, sowohl technischer als auch finanzieller Art, doch sie stellt auch eine große Herausforderung für die Auswahl und Optimierung von Anwendungen dar. Aus diesem Grund sollten Unternehmen wenigstens die folgenden drei Punkte klären, bevor sie ihr Business in die Cloud migrieren.

Komplexität und Kosten beherrschen. Die größte Herausforderung für IT-Teams ist das Know-how. Spezialisierte Nachwuchskräfte sowie Experten sind schwer zu finden. Umso wichtiger ist es für das Unternehmen, sich einer fundamentalen Hausaufgabe zu widmen: Der Erstellung eines Pflichtenhefts, um einen Überblick über die Komplexität und die möglichen Kosten zu gewinnen, die mit der Cloud-Migration verbunden sind. Erfahrungen zeigen, dass ein zentrales Management der Schlüssel für eine erfolgreiche Multi-Cloud-Strategie ist.

Sicherheit neu denken. Anwendungen in der Multi-Cloud bringen jede Menge Online-Traffic mit sich, der auf vielerlei Art angreifbar ist. Die IT eines Unternehmens sollte sich nicht alleine auf ihre Provider verlassen, wenn es um den umfassenden Schutz ihres Cloud-Business geht. Add-on-Sicherheitslösungen sind häufig kompliziert und schwer zu konfigurieren. Stattdessen empfehlen Experten Sicherheitsmodule, die in die Load-Balancer-Lösung integriert werden können.

Überblick über alle Anwendungen. Wenn Anwendungen in mehreren Umgebungen über mehrere Clouds laufen, ist das Monitoring schwieriger als über ein zentrales Rechenzentrum. Hier können Cloud-Management Plattformen weiterhelfen. Sie vereinen die verschiedenen Cloud-Anbieter unter einer gemeinsamen Management-Oberfläche. Im Idealfall erfasst und visualisiert ein solches Cloud-Management die komplette IT-Landschaft, sodass eine zentrale Verwaltung aller Ressourcen und Services sichergestellt ist.

 

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